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Informationen über Meerschweinchen
Meerschweinchen wurden schon bei den Inkas domestiziert. Sie sind sehr gesellige Tiere, die, wenn man sie in Gruppen hält, ihr wahres können zeigen. Deshalb ist von einer Einzelhaltung dringend abzuraten. Auch die von einigen Züchtern propagierte Haltung mit Hasen oder Kaninchen, ist nicht zum Vorteil für die Meerschweinchen. Meerschweinchen brauchen gerade jemanden mit dem sie sich den ganzen Tag "unterhalten" können. Auch ist das Sozialverhalten ein anderes. Zudem benötigen Meerschweinchen zusätzlich Vitamin C über das Futter, was Kaninchen selber produzieren können. Also, alles Fakten die gegen eine Vergesellschaftung von Kaninchen und Meerschweinchen sprechen.
Nun muss ich gleich mit einigen Meerschweinchenmärchen aufräumen :
Die Haltung von zwei oder mehreren Meerschweinchenböcken gestaltet sich bei Einhaltung einiger Regeln problemloser als die Haltung von zwei oder mehreren Weibchen !!!!
1.
Böcke klären gleich zu Beginn die Rangfolge. Keine Angst wenn es ein bisschen rumorig im Stall einhergeht. Ein gegenseitiges Beschnuppern und Jagen ist normal - auch beim Zusetzen eines gerade von der Mama abgesetzten Jungböckchens das Besteigen dieses, weil der junge Bock noch nicht nach Bock "riecht". Das kleine Böckchen hält schon die Annäherungen des alten Böckchens aus und weiss sich in der Regel selbst zu helfen. Ist die Rangfolge einmal geklärt, gibt es kaum Streitereinen zwischen den Tieren.
2.
Keiner der Böcke sollte Kontakt zu Weibchen haben. Zwei Zuchtböcke, die wieder zusammengesetzt werden, werden Anspruch auf die Rolle des Alphabockes in der Gemeinschaft haben. Dann sind heftige Rangordnungskämpfe vorprogrammiert. Ich händel das immer so, dass ich zu den Zuchtböcken in ihren Zuchtpausen ( auch die müssen sein ) immer Jungböcke dazusetze. Das geht immer gut. Die kleinen Böcke können so nicht nur von ihrer Mama lernen, sondern lernen auch von ihren männlichen Verwandten. Somit sitzt bei mir niemals ein Meerschweinchen allein!
3.
Böcke untereinander, ist die Rangfolge einmal geklärt, gehen eine sehr enge Bindung ein. Sie brauchen dann einander förmlich. Das im Käfig zurückgelassene Böckchen, wird sofort seinen Partner suchen. Problematisch wird es im Todesfall des Partners. Erfahrungen zeigen, dass dann der verbliebene Bock ebenfalls trauert, sein Fressen einstellt, nur noch still in der Ecke sitzt und ebenfalls stirbt. Dies kann man umgehen, wenn man gleich 3 oder mehrere Böcke zusammenhält oder sofort ein kleines Jungböckchen als Partner dazusetzt. Ich habe in meiner Zeit als Meerschweinchenzüchter schon oft Anrufe abends erhalten, wo gerade ein Meerschweinchen gestorben ist und nach einem neuen Partner gesucht wurde. Keine Angst vor solchen Anrufen! Ein guter Züchter weiss um die Problematik und wird Ihnen selbstverständlich in dieser Situation helfen!
.. und was machen die Damen ?
Weibchen wollen ihr ganzes Lebens hinweg die Rangordnung klären, d. h. rangniedere Weibchen werden immer wieder versuchen eine hanghöhere Position zu erlangen. Dies führt zu sehr instabilen Gemeinschaften. Reibereien sind in reinen Weibergruppen an der Tagesordnung. Dazu kommt noch, dass Weibchen mit der Geburt ihrer ersten Babys ihren Charakter erst voll entfalten, oftmals auch ändern. Viele von ihnen werden dann erst ein wenig ruhiger und besonnener. Erst nach der Geburt erlangen Weibchen überhaupt das Recht eine ranghohe Position in der Gruppe zu begleiten. Ich halte jedesmal die Luft an, wenn ich die Weibchen umgruppiere. Einige Weibchen können sich sprichwörtlich nicht riechen. Nur ein erfahrener Bock kann dann noch für Ordnung sorgen. So habe ich auch in meinen Mutter / Kind - Gruppen jeweils einen ehemaligen Zuchtbock als Kastraten mitlaufen. Dieses Verhalten der Weibchen führt auch dazu, dass reine Weibchengruppen niemals recht zahm werden und immer erst einmal weglaufen. Falls Sie gerade so ein "superängstliches" oder "zickiges" Weibchen haben, kann gerade ein ausgewachsener Kastrat für Ausgleich sorgen. Fragen Sie doch einfach bei einem Züchter nach. Oftmals kann er Ihnen einen Kastraten anbieten, oder er hat einen Bock, der im kastrationsfähigen Alter ist.
Böcke stinken ...?
Ein weiteres Märchen ist, dass Böcke eher stinken als Weibchen. Dies kann ich nicht bestätigen. Eine ordentliche Stallpflege sollte schon von Beginn an usus sein! Als Einstreu haben sich bei mir handelsübliche Hobelspäne( z.B. ALLSPAN, Hanfstreu, Eurolin ) mit einer Lage Stroh ( welches auch gern gefressen wird ) bewährt. Auch sollte der Käfig nicht zu klein gewählt werden. Als Mindestgrösse sollte gelten , dass pro Meerschweinchen 50 x 50 cm zur Verfügung stehen. Ich selber empfehle die Käfiggrößen 100 x 50 oder 120 x 60 cm. Diese Käfige werden im Handel auch angeboten. Natürlich kann man auch selbst handwerklich aktiv werden und selber ein Zuhause basteln. Jedoch sollten die Abmaße nicht zu klein gewählt werden. Auch sollte der Käfig / das Gehege abwechslungsreich gestaltet werden ( z. B. Höhlen, 2. Ebene ). Der Handel bietet zwar inzwischen eine Menge an Zubehör an, nur sollte man vorher prüfen, ob z. B. ein Haus für ein Meerschweinchen gross genug ist oder die zusätzliche Einrichtung nicht auch Verletzungsgefahren für unsere Lieblinge birgt.
Was sollte alles in einem Käfig ?
Zunächst sollte man vor dem Kauf bedenken, wo soll das neue Familienmitglied ( besser die neuen Familienmitglieder ) ihr Plätzchen in der Wohnung finden. Der Käfig sollte mindestens 100 x 50 cm Grundfläche haben. Besser sind natürlich 120 x 60 oder 140 x 70 cm oder die doppelstöckigen Varianten. Diese Käfiggrössen werden auch vom Handel angeboten und sind in der Anschaffung nur unwesentlich teurer - ihre Käfiginsassen werden es Ihnen später danken. Der Platz für den Käfig sollte so gewählt werden, dass er nicht zu dunkel, aber auch nicht direkter Sonnenbestrahlung ausgesetzt ist. Auch sollte der Käfig vor Zugluft geschützt stehen.
Am bzw. im Käfig sollte sich vom ersten Tag an folgendes befinden Trinkflasche
Fressnapf für Trockenfutter
Heuraufe
Schlafhäuschen / Schlafhöhle
Optional :Salzleckstein
Bei mir haben sich als Einstreu Hobelspäne aus Weichholz bzw. Hanf mit einer Lage Stroh darüber bestens bewährt. Um Geruchsbildung zu vermeiden und den "Quiekern" ein angenehmes Zuhause zu bieten, sollte spätestens alle 5 Tage eine Käfigreinigung inklusive Austausch der Einstreu vorgenommen werden.
Meerschweinchen können wie wir Menschen kein körpereigenes Vitamin C aufbauen,
benötigen dies aber für das tägliche Leben! Also sollte eine Trockenfuttersorte gewählt werden, die auch reich an Vitamin C ist bzw. dem Vitamin C in ausreichender Menge zugesetzt ist. Auch sollte das Trockenfutter in sich ausgewogen sein. Bewährt haben sich Pelletts, da Körner zu energiereich sind und so zum Verfetten der Meerschweinchen beitragen und auch ein Aussortieren von bestimmten Futtersorten durch die Meerschweinchen erschwert wird. Als Faustregel gilt eine Trockenfuttermenge von ca. 20 g pro Tag und Tier. Ein guter Züchter weiss um die Probleme bei dem Trockenfutter und wird Ihnen sicherlich auch ein gutes Futter empfehlen. Dies sollte auch Gegenstand beim Verkaufsgespräch mit dem Züchter sein. Dieser weiss am Besten um die Gepflogenheiten seiner Tiere, was sie mögen und was nicht. Ich gebe immer eine Tüte von meinem Futter zur Eingewöhnung mit. Natürlich reicht das Trockenfutter nicht aus. Stets und ständig muss Heu zur freien Verfügung angeboten werden! Hier ist es egal, ob man Heu vom Bauern oder aus dem Handel füttert. Auch werden im Handel Wiesengrasbriketts bzw. -cobs angeboten. Diese werden auch nach einer Umgewöhnungszeit von den Meerschweichen akzeptiert. Diese Briketts bieten auch gleichzeitig für die Meerschweinchen die Möglichkeit der Abnutzung der ständig nachwachsenden Zähne. Auch stellen diese Briketts eine gute Alternative für heuschnupfengeplagte Menschen dar. Diese Futterkomponenten müssen jeden Tag zur Verfügung stehen. Aber wer will immer das Gleiche essen ? Deshalb sollte täglich ein anderes , vitaminreiches Saftfutter angeboten werden. In der warmen Jahreszeit ist natürlich Wiesengras mit all seinen Varianten das Beste was man seinen Lieblingen bieten kann. Am Besten man stellt ein Gehege auf die Wiese, sorgt für Schatten im Gehege ( Schilfrohrmatten aus dem Baumarkt haben sich bei mir gut bewährt ) und lässt die Meerschweinchen "Rasenmäher" spielen. Das machen sie sehr gründlich und gleichzeitig wird auch die Wiese "gedüngt".
In der kalten Jahreszeit oder bei Regenwetter haben sich bei mir folgende Obst- und Gemüsesorten bewährt :
Möhren Äpfel Melonen Zitrusfrüchte ( Orangen, Mandarinen ) Gurken Rote Beete Fenchel Chicoree Chinakohl Endivien Kohlrabi ( auch die Blätter ) Salat ( in Maßen, wegen hohem Nitratgehalts ) Blumenkohl / Broccoli Futterrüben Mais ( am besten frisch und als komplette Pflanze)
Des weiteren muss dem Meerschweinchen Wasser zum Trinken angeboten werden. Manche Meerschweinchen sind Trinkflaschen nicht gewohnt oder benötigen kein / nicht so viel Wasser. Es gibt aber auch regelrecht "Wassersäufer" bei mir. Ich biete meinen Meerschweinchen das Wasser über Trinkflaschen an. Die Meerschweinchen lernen dann den Umgang mit den Trinkflaschen voneinander. Auch bietet sich die Möglichkeit an, in der kalten Jahreszeit Vitamintropfen dem Trinkwasser beizufügen, um so die Grundversorgung der Meerschweinchen mit Vitaminen zu verbessern. Da die Zähne der Meerschweinchen ständig nachwachsen, sollte auch unseren Lieblingen eine Möglichkeit zum Abrieb der Zähne zur Verfügung stehen. Trockenes Brot oder Brötchen werden mit Vorliebe genommen. Auch ungespritzte Obstzweigen werden gern beknabbert. Gleichzeitig bieten gerade diese Zweige Gestaltungsmöglichkeiten für das Meerschweinchenheim.
In der kalten Jahreszeit kann man auch Abwechslung durch getrocknete Kräuter auf dem Speiseplan der Meerschweinchen bringen. Gerde Grüner Hafer, Grüner Weizen, Löwenzahn, Sonnenhut, Pfefferminze werden von den Meerschweinchen sehr gerne geknabbert.
Zur Versorgung Ihrer Meerschweinchen sollte nicht nur die tägliche Futtergabe und die Reinhaltung des Meerschweinchenkäfigs zählen, sondern auch die mindestens wöchentliche Kontrolle von Krallen, Zähnen, Augen, Ohren, Fell und Gewicht der Meerschweinchen. Verhält sich ein Meerschweinchen anders als gewohnt ( kommt nicht mehr beim Rufen nach vorne, bettelt nicht mehr um das Lieblingsfutter) , so stimmt was nicht mit Ihrem Liebling. Zögern Sie nicht einen Tierarzt oder Züchter zu kontaktieren. Gerade der schnelle Gang zum Tierarzt kann lebensrettend für Ihren Liebling sein. Tritt erst einmal eine Krankheit bei Meerschweinchen auf, dann bauen diese sehr schnell ab. Manche Krankheiten verlaufen so akut, dass innerhalb von wenigen Stunden der Tod eintreten kann.
Die Krallen sollten nicht länger als nötig sein. Deshalb wird man um ein Kürzen der Krallen auf Dauer nicht herumkommen. Mit einer Krallenschere aus dem Handel kann man die Krallen sehr gut kürzen. Bei hellen Krallen ist der durchblutete Teil sehr gut sichtbar - bei schwarzen Krallen gehört ein bisschen Geschick und Übung dazu, den durchbluteten Teil der Kralle nicht einzuschneiden. Ein Tierarzt oder Züchter zeigt Ihnen sicherlich, was Sie kürzen können und was nicht.
Nun noch ein Wort zum Fell :
Bei der wöchentlichen Kontrolle oder bei den täglichen Streicheleinheiten kann man das Fell auf mögliche Wunden oder Kahlstellen untersuchen. Möglicher Pilz- oder Milbenbefall kann dadurch frühzeitig erkannt und behandelt werden. Pilz- oder Milbenbefall von Meerschweinchen hat nicht zwingend mit schlechten Haltungsbedingungen zu tun. Gerade bei feuchtwarmer Witterung kann es auch bei guten Haltungsbedingungen zu einem Befall durch die Fütterung von Stroh und Heu kommen. Ihr Tierarzt kann Ihren Tieren umgehend helfen. Bei Milben ist die Gabe von IVOMEC angezeigt. Pilze müssen genau spezifiziert werden und werden dann auch mit unterschiedlichen Cremes auf den betroffenen Hautpartien behandelt. Vorsicht Zoonosegefahr, da Pilze manchmal auch den Menschen anstecken können.
Langhaarige Meerschweinchen erfreuen sich seit langer Zeit zunehmender Beliebtheit. Jedoch sollte man beachten, dass das Haar auch ständig nachwächst ( ca. 1 cm pro Monat ). Deshalb wird es von Zeit zu Zeit nötig sein, die Haarpracht zu kürzen. In Deutschland ist ein Wickeln der langen Haaren aus Tierschutz untersagt. Eine bodenlange Haltung der langen Haare ist auch zum Vorteil für die Meerschweinchen. Verknotet mal eine Haarsträhne, dann sollte dieser aus dem Fell ausgeschnitten werden. Unterbleibt dies, wird der Knoten immer grösser.
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